Über mich

Jahrgang 1955
Behinderung: Cerebral Parese und Hörbeeinträchtigung
verheiratet
keine Kinder
wohne in Bad Homburg, bis September 2016 in Mülheim an der Ruhr

Meine
Schullaufbahn war geprägt von der zunächst amtsärztlich attestierten Bildungsunfähigkeit (!)“ im regulären Einschulungsalter, gefolgt vom Besuch zweier Sonderschulen („Hilfsschule“ in Mülheim und Körperbehinderte in Düsseldorf), dann überwechselnd zu einem Modellprojekt der integrativen Beschulung in einer Realschule in Köln und führte schließlich zum Abitur in einem regulären städtischen Gymnasium in Mülheim.

Dies hatte zur Folge, dass ich zwangsläufig von Mülheim an der Ruhr zwischen Düsseldorf und Köln pendelte,

Allein für den Realschulbesuch in Köln mit entsprechendem Abschluss kamen so in den Jahren von 1968 bis 1974 ca. 160.000 Bahn-Kilometer zusammen! Die damals bundesweit einzige Alternative für einen gleichartigen Schulabschluß mit der zusätzlichen Möglichkeit des Abiturs wäre eine internatsmäßige Unterbringung in Hessisch-Lichtenau gewesen, was ich ablehnte.

Da besagte Sonderschulen sowie Modellprojekt als Ganztagseinrichtungen betrieben wurden, waren unter diesen Umständen Anbahnungen oder Aufrechterhaltung sozialer und integrativer Kontakte in Mülheim an der Ruhr kaum möglich und ich entwickelte mich so zum Einzelgänger (dies sollte sich Ende 1971 durch Eintritt bei „INTEG“, einer integrativen Jugendgruppe des damaligen „Reichsbund“, inzwischen zum „Sozialverband Deutschland“ umbenannt, schlagartig ändern ...).

Von 1974 bis 1977 besuchte ich die Luisenschule in Mülheim an der Ruhr, ein städtisches Gymnasium, das sich darauf einließ, mich integrativ zu beschulen. Mt der Schulleitung vereinbarte ich hierfür folgende Rahmenbedingungen:

Klausurarbeiten ohne Zeitbegrenzung, Gestellung einer elektrischen Schreibmaschine in einen separaten Raum sowie die Teilnahme am Schwimmen unter Nutzung von Schwimmflossen als Vortriebshilfsmittel, weil mir entsprechende Armbewegungen nicht möglich sind.

Als weiteres Sportfach wurde auch Rudern angeboten. Zunächst dachte ich, dies wäre für mich nicht möglich, da die Boote sehr schmal sind und durch meine unwillkürliche Bewegungen die Gefahr des Umkippens bestehen würde. Mit einem Mitschüler probierte ich aus, ob es mir doch möglich ist, diesen Sport auszuüben. Und siehe da - es klappte! Und belegte sofort auch dieses Fach.

Letztendlich bestand ich auch das Abitur!

Der Weg war nun frei für das Studium der Sozialarbeit, das ich an der Universität Essen – Gesamthochschule mit meiner 313-seitigen Diplomarbeit "Sozialintegrativer Aspekt der Gestaltung einer behindertengerechten Umwelt" und der Examensnote 1,2 im Jahr 1980 abschloss.

Es folgte das berufspraktische Jahr zur Staatlichen Anerkennung bei der Stadtverwaltung Mülheim an der Ruhr bis Ende 1981, wo ich unter anderem 6 Monate in der Behindertenberatung im Gesundheitsamt tätig war.

Meine weitere berufliche Laufbahn war wegen der schlechten Arbeitsmarktlage vom stetigen Wechsel von befristeten Arbeitsverhältnissen (ABM oder Projekte; meist bei Behindertenverbänden in Mülheim, Bochum, Duisburg, Essen, Dortmund, Oberhausen, Düsseldorf) und Zeiten von Langzeitarbeitslosigkeit gekennzeichnet. 

In der Behindertenarbeit blicke ich einige Erfolge zurück:

durch ehren- oder hauptamtliche Mitarbeit in Projekten sowie Stellungnahmen bei Anhörungen von Fachausschüssen auf kommunaler und Landesebene sowie  Verkehrsetriebe trug ich dazu bei, dass der
öffentliche Personenverkehr barriererefreier geworden ist: die Niederflurtechnik hat sich inzwischen bei Bussen und Bahnen durchgesetzt und die Bahnhöfe der Deutschen Bahn wurden und werden schrittweise mit Aufzügen ausgestattet.

Zuvor deckte ich in besagter Diplomarbeit unter anderem die damals drohende verkehrspolitische Tendenz, Maßnahmen zur leichteren Benutzung von öffentlichen Verkehrsmittel mit dem lapidaren Verweis auf Sonderfahrdienste (die es freilich nicht überall gab und gibt) für Rollstuhlfahrer nicht (!) vorzusehen, auf. Auf diesen skandalösen Umstand machte ich bei Behindertenverbänden in entsprechend eingebrachte Resolutionen sowie
Redebeiträgen auf internationalen Kongressen, die im UNO-Behindertenjahr 1981 in Wien und Göteborg (Schweden) stattfanden, aufmerksam.

An der nationalen Eröffnungsveranstaltung des besagten UNO-Jahres in der Dortmunder Westfalenhalle, wo sich Rollstuhlfahrer auf der Hauptbühne gegenseitig anketteten, sowie am abschließenden Dortmunder Krüppeltribunal - die damals vorgetragenen Anklagepunkte haben durchaus bis in die heutige Zeit noch Gültigkeit - eine Neuauflage dieses Tribunals ist unter dem Vorzeichen der UN-Behindertenrechtskonvention hinsichtlich seiner sehr schleppenden Umsetzung in Deutschland mehr als angebracht... - nahm ich ebenfalls teil.

Die Einrichtung der
ersten barrierefreien Telefonzelle der damaligen Bundespost in Mülheim an der Ruhr ging auch auf mein Wirken zurück, wie auch der Auszug einer schwerstbehinderten Frau aus einer großen Behinderteneinrichtung in eine eigene Wohnung.

Auch kann man mich als
Vater der "Deutzer Erklärung" (als Download) bezeichnen: ich erarbeitete eine entsprechende Entwurfsvorlage, die von den Teilnehmern des "3. Alternativen Werkstättentag" unter dem Motto "Nur wer sich bewegt, kommt auch voran! Die Werkstatt für behinderte Menschen im Umbruch" im November 2006 in Köln einstimmig verabschiedet wurde.

Um weiterhin Menschen mit Behinderung beraten und unterstützen zu können, habe ich dieses Portal eingerichtet. So bleibe ich - inzwischen Rentner -- immer auf den neusten Entwicklungsstand. Im Hintergrund habe ich hierbei
langjährige Mitgliedschaften beim „Sozialverband Deutschland e.V.“ und dem „Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V. (ForseA)“. Beim Sozialverband übte ich ehrenamtlich Geschäftsführende Vorstandstätigkeiten in Mülheim und Essen sowie auf NRW-Landesebene bis Mitte der 1980-er Jahre aus.

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(c) Dipl.-Soz.Arb. Uwe Heineker